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Sind Eiweißshakes sinnvoll?

Nicht nur Hobbysportler mixen sich gerne Eiweißdrinks, um Fett abzubauen oder Muskeln aufzubauen. Experten warnen: Die meisten von uns brauchen kein Proteinpulver
von Julia Rudorf, 08.06.2017

Schlankheitstrank? Viele erhoffen sich schnelle Diäterfolge durch Eiweißshakes

W&B/Szczesny

Der Trend kommt im Eimer. Große Plastikbehälter, auf denen in leuchtenden Buchstaben steht, was drinsteckt: Proteine. Was früher als Sportlernahrung nur in Fitnessstudios und im Versandhandel für Bodybuilder erhältlich war, gibt es jetzt auch bei Discountern und in Supermärkten.

Der Verzehr des angereicherten Pul­vers – meist als Getränk, angerührt mit Milch oder Wasser – soll Muskeln wach­sen und Fett schwinden lassen. Ein Versprechen, das einleuchtend klingt. Schließlich ist Eiweiß tatsächlich wichtig für unseren Körper: für Stoffwechsel, Hormonhaushalt sowie Aufbau und Erhalt von Muskeln und Gewebe.

Extraproteine normalerweise nicht nötig

Viele Konsumenten sind von der Wirkung überzeugt und bereit, gutes Geld dafür zu bezahlen. Je nach Produkt kostet ein Kilo Pulver zwischen 20 und 60 Euro. Das Geschäft boomt. 2016 wurden in Deutschland mit solcher Sportlernahrung über 100 Millionen Euro Umsatz gemacht, berichtet die Marktforschungsfirma Nielsen. Darunter fallen neben Eiweiß-Pulver auch -Riegel. 

Mediziner sehen diese Entwicklung kritisch. "Die Empfehlungen für gesunde Erwachsene liegen bei 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Bei Älteren und Patienten mit bestimmten Erkrankungen dürfen es bis zu 1,3 Gramm sein", sagt Professor Dominik Alscher vom Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart. Für einen Mann, der etwa 80 Kilo auf die Waage bringt, reichen also in der Regel 64 Gramm aus. Eine Menge, die sich auch mit normalen Lebensmitteln decken lässt. Zusätzliche Pulver-Proteine brauche da eigentlich niemand.

"In unserer Gesellschaft stehen die Chancen meist gut, mit der Nahrung genügend Eiweiß aufzunehmen", sagt Alscher. Das bestätigen auch Zahlen der Nationalen Verzehrsstudie. Im Mittel essen deutsche Männer und Frauen demnach sogar weit mehr als die empfohlene Eiweißmenge.

Manche Senioren essen zu wenig Eiweiß

"Am ehesten betroffen von einem Eiweißmangel sind ältere Menschen", sagt Dr. Rebecca Diekmann, Ernährungswissenschaftlerin an der Universität ­­Oldenburg. Um Muskelschwund bei fortschreitendem Alter vorzubeugen, wäre eine höhere Proteinzufuhr wichtig. Daran halten sich aber offenbar nicht alle. Laut Verzehrsstudie sind 15 Prozent der Senioren hierzulande ungenügend mit Eiweiß versorgt. "Eine Ernährungsberatung könnte Betroffenen helfen, einen möglichen Mangel nicht nur zu erkennen, sondern auch auszugleichen", sagt Diekmann. Doch solche Angebote würden selten in Anspruch genommen.

Die Mehrheit der Menschen hat ohnehin eher ein Problem mit Eiweiß-Überversorgung. "Für die Niere kann zu viel Protein auf Dauer eine Belastung werden", erläutert Alscher, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. 

Belastung für die Nieren

Muss der Körper ständig viel Eiweiß abbauen, gerät das Organ mit seiner Filterfunktion an seine Grenzen. Das ist vor ­allem für Menschen gefährlich, deren Nierenfunkion bereits eingeschränkt ist. Alscher: "Eine gesunde Niere kommt mit gewissen Übertreibungen zurecht. Eine kranke Niere nicht."

Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Proteine aus normalen Lebensmitteln stammen oder einem Pulver. "Sie alle sind aus Aminosäuren zusammen­gesetzt", sagt Lothar Kroh, Professor für Lebensmittelchemie und Analytik von der Technischen Universität Berlin. Insgesamt zwanzig Aminosäuren sind für unseren Körper lebenswichtig, einige davon kann er allerdings nicht selbst herstellen. Experte Kroh: "Diese sogenannten essen­ziellen Aminosäuren muss man mit der Nahrung aufnehmen."

Wo das Proteinpulver herkommt

Um an Eiweiß in seiner konzentrierten Form zu gelangen, müssen die Pulver-Hersteller es aus natürlichen Quellen gewinnen. "Das können Pflanzen sein wie Sojabohnen, Weizen oder Kartoffeln. Aber auch tierische Ausgangsstoffe wie Milch, Molke oder Eier sind möglich", erklärt Kroh. Erst die Isolierung der Proteine mittels spezieller Techniken macht aus den Ausgangsstoffen das Pulver mit seinem hohen Eiweißanteil.

Vorteilhafter Mix?

Viele der ­Firmen werben mit "guten Amino­säureprofilen", die reich sind an essenziellen Amino­säuren und das Eiweiß besonders gut verwertbar machen sollen. Dafür werden unterschiedliche Proteine gemischt – etwa Molke-Eiweiß und solches, das aus Ei stammt.

"Im Prinzip erreicht man das aber auch, wenn man einfach unterschiedliche, proteinhaltige Nahrungsmittel kombiniert", sagt Kroh. Hausmannskost bietet auch Sportlern jede Menge Alternativen zur Eiweißbombe aus dem Eimer – wenn man sie gut zusammenstellt: etwa zur Erbsensuppe ein Stück Brot isst oder zu Pellkartoffeln Kräuterquark. 



Bildnachweis: istock/vkuslandia, ddp Images GmbH/Zoonar, istock/sbossert, istock/karandaev, istock/alexandrshevchenko, W&B/Szczesny, Fotolia/Sea Wave

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